Asi Se Baila el Tango - so tanzt man den Tango - die Pinta

"Mit dem Wort Pinta ist die Gesamtheit des tangotypischen Ausdrucks des Tanzpaars gemeint. Die Pinta ergibt sich in erster Linie aus der typischen (besser: authentischen) Haltung, aber auch aus der Bewegungsqualität und der Harmonie im Paar.
Die Pinta ist das wichtigste Kriterium dafür, ob ein Paar als Tangotanzpaar erkannt wird.
Die Pinta kann weder durch Affektiertheit, noch durch Aufgesetztheit vorgetäuscht werden. Sie ist auch, anders als die Haltung beim Tanzsport, kaum zu unterrichten, weil es letztlich keine verbindlichen Kriterien dafür gibt.
Manche Tanzpaare haben die Pinta schon sehr frühzeitig, andere erreichen sie auch nach Jahren der Praxis nicht. Auch hier gilt: wer den Tango für sich als Daseinsform begreift, wird die Pinta haben."

Göttinger Tango-Info von Ulrike & Eckart Haerter - http://haerter-tango.info/goettinger-tango-info-24-2008.pdf

Für Argentinier ist das Wichtigste beim Tangotanzen die Haltung, die man zeigt - die Pinta. Wörtlich übersetzt bedeutet Pinta in etwa "gutes Aussehen", aber es geht viel mehr um die Art, wie jemand steht und geht.
Und wie bei allen anderen Tänzen ist dieses Einfachste auch beim Tango das, was am schwierigsten zu lernen ist. Der häufigste Ratschlag, den ich von älteren Tänzern zu diesem Thema zu hören bekam, lautete: gehen, gehen, gehen, und sich nicht um irgendwelche Fantasieschritte kümmern, bevor man soweit ist.
Für die Argentinier hat die Qualität des Tanzens überhaupt nichts mit der Zahl der Figuren zu tun, die jemand kennt. (Das mag damit zusammenhängen, dass jeder mehr als genug davon kennt.) Und die Aufmerksamkeit anderer kann man in Buenos Aires nur dadurch gewinnen, dass man eigene Schritte erfindet. Nur die individuelle "Fußschrift" zählt.
Als guter Tänzer gilt, wer neue Wege erfindet, um mit dem bekannten Vokabular die Musik zu interpretieren.
Was das kritische Publikum zu einem zustimmenden Raunen veranlasst, das sind die Feinheiten: nicht was einer tut, sondern wie er es tut. Es zählt das "Weniger ist mehr", die Effizienz der Bewegung, die allerkleinsten Verzierungen mit den Füßen. Diese Chiches (wörtlich: Zierrat, Spielzeug) sind das Sahnehäubchen eines Tangos - in endloser Variation können sie Schritte ausschmücken oder in einem kostbaren Moment der Stille gezügelte Leidenschaft aufflackern lassen.

Daniel Trenner - http://www.danieltrenner.com